Digitale Mikroskopie

Für unsere praktische Arbeit ist ein Lichtmikroskop unerläßlich. Wir nutzen für unsere diagnostische Begutachtung 4- bis 1000-fache Vergrößerungen. Dabei ist die Qualität der Bilder von enormer Wichtigkeit, weil das Mikroskopieren visuell erfolgt.

Mikroskop

Die konventionelle Lichtmikroskopie hat eine Vielzahl von Nachteilen, bspw.:

  • ein Präparat kann nicht kopiert werden
  • das ausschnittsweise Bearbeiten erschwert die Orientierung
  • Glasobjektträger können leicht brechen
  • die Färbung der Präparate bleicht mit der Zeit aus
  • Vergrößerungen sind linsenabhängig
  • Anmerkungen auf Glasobjektträger sind kaum machbar
  • Glasobjektträger können nicht Teil der digitalen Patientenakte sein
  • die Anzahl möglicher Betrachter ist gering

Diese Nachteile führen dazu, dass die genaue Diagnosestellung erschwert und Arbeitsprozesse nur schwer optimiert werden können.

Die jüngsten Entwicklungen auf dem Feld der Microskopie verfolgen zwei Ansätze. Beim dynamischen Ansatz übertragen fernsteuerbare Robotermikroskope mittels Kamera Live-Bilder. Beim statischen Ansatz werden automatisierbare Mikroskope (Mikroskop-Scanner) eingesetzt, um mikroskopische Bilder zu digitalisieren und zu befunden.

In unserer praktischen Arbeit digitalisieren wir die Präperate des jeweiligen Objektträgers mit einer hochauflösenden Microskopkamera (Moticam) und archivieren die erzeugte Bilddatei zusammen mit den bildbegleitenden Informationen in unserem Dicom-Archiv (PACS). Unser modular aufgebautes Mikroskop ist mit einem separaten Kamera-Tubus (Trinokular) ausgestattet. Das erlaubt es uns, hin und wieder traditionell und ganz spontan durch die Okulare zu mikroskopieren.

Tatsächlich bearbeiten wir die Proben aber nur noch am Bildschirm. Die Bilder können in einem Arbeitsgang betrachtet, befundet und archiviert werden. In angenehmer, entspannter Sitzposition stehen uns eine Vielzahl von Bearbeitungsmöglichkeiten am Rechner zur Verfügung. Darstellung und Auswertung erfolgen live, farbecht und kalibriert. Wir haben die Möglichkeit, die Proben µm-genau zu vermessen, zu markieren oder zu beschriften. Mit ImageJ setzen wir eine Plattform für wissenschaftliche Bildanalyse ein. ImageJ ist über ein ausgereiftes Plugin-Konzept enorm erweiterbar. Wir haben ImageJ mittels Orthanc-Plugin an unser Dicom-Archiv angebunden.

Die Vorteile des Mikroskopierens am Rechner auf einen Blick:

  • Vielfältige Bearbeitsungsmöglichkeiten durch spezielle Software
  • Archivierung und spätere Nachbegutachtung oder Probenvergleich
  • Begutachtung ist nach Digitalisierung arbeitsplatzunabhängig
  • Weitergabe der Bilddateien zur Zweitbegutachtung
  • Bilddateien sind Teil der elektronischen Patientenakte